Montag, 21. Mai 2012

Der Nachtzirkus


Rezension zu Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern
Infos zum Buch:
Seiten: 464
Verlag: Ullstein
Preis: 19,99 Euro
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Leseprobe

Kurzbeschreibung: Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.


Die Autorin: Erin Morgenstern ist bildende Künstlerin und Autorin. Sie lebt mit zwei Katzen in Salem, Massachusetts. Der Nachtzirkus ist ihr erster Roman. Er stand monatelang auf der Bestsellerliste der New York Times, und die Übersetzungsrechte wurden in 33 Länder verkauft. Eine Verfilmung ist in Vorbereitung.


"Die hohen Zelte sind schwarzweiß gestreift, Gold und Purpur fehlen. Bis auf die angrenzenden Bäume und umliegenden Wiesen sieht man keine Farben. Schwarzweiße Streifen vor grauem Himmel, eine farblose Welt aus Zelten in unterschiedlichen Formen und Größen, umschlossen von einem kunstvoll geschmiedeten Eisenzaun" (S.7)


"Die züngelnden Flammen sind weder gelb noch orange, sondern weiß wie Schnee" (S.103)


"Er findet andere Möglichkeiten, es ihr zu sagen, seine Finger hinterlassen schwache Tintenspuren. Er genießt jeden Laut, den er ihr entlockt. Der gesamte Raum zittert, als sie sich vereinen." (S.352)


Buchaufmachung: Das Cover ist wirklich wunder- wunderschön! Die silbernen Ornamente und der Zirkus, alles passt zusammen und sieht toll aus !


Meine Meinung: Dieses Buch ist in aller Munde und wurde mir von vielen Seiten wärmstens empfohlen. Also führte kein Weg dran vorbei, zumal ich als absolute Coverfanatikerin gleich Feuer und Flamme war als ich es im Laden sah. Und natürlich hatte ich sehr hohe Erwartungen, vielleicht war genau das der Fehler.


Ohne Frage, die Idee der Geschichte ist wirklich toll. Vor diesem Buch hätte ich nicht gedacht, dass man über 400 Seiten fast ausschließlich mit einem Zirkus als Schauplatz schreiben kann. Und auch nicht, dass man einen Zirkus so originell gestalten kann. Man wird an bestimmten Stellen in eine wahrhafte Traumwelt entführt, voller Wunder und Originalität. Doch liest man den Klappentext durch erwartet man eine Liebesgeschichte der besonderen Art. Dies findet man hier allerdings nicht: Der Zirkus und die Beschreibung dieses stehen im Vordergrund und auf anderes, wie eine spannende Geschichte, wurde verzichtet. Das Gefühl hatte zumindest ich, denn die Thematik um den Wettstreit der unterbrochen werden muss um wieder frei zu leben ist nicht wirklich neu. Natürlich will ich es jetzt nicht runtermachen, hätte nur etwas ganz anderes erwartet.


Der Schreibstil der Autorin wirkt sehr distanziert. Teilweise sind Abschnitte an den Leser direkt gewendet, diese gefallen mir besonders gut, man fühlt sich selber in dieser Welt und träumt von ihr. Aber ansonsten hatte ich eher das Gefühl man schaut von oben auf alles und konnte mich nur an wenigen Stellen wirklich in den Zirkus entführen lassen.


Auch die Charaktere sind nicht wirklich durchleuchtet, in diesem Fall passt das aber. Und ist vermutlich auch gewollt. Celia und Marco sind ein perfektes Paar, auch wenn ich Anfangs gar nicht dachte, dass die beiden zusammenpassen würden. Es gibt einige zwiespältige Personen und die liebenswürdigen Vertrauen erweckenden. 


Leider wird die Geschichte nur so unendlich in die Länge gezogen. Anfangs plätschert alles dahin und kommt kaum voran, erst gegen Ende ging es mir dann schon fast zu schnell. Es geschieht so viel auf einmal, dass ich bei einigem kaum mitkam. Und wirklich klasse oder sonderlich überraschend kam für mich auch nicht wirklich etwas.


Außerdem wird während des gesamten Romans zwischen Orten und Zeiten hin und her gesprungen. Am Anfang jedes Kapitels musste ich erstmal überlegen: Wo genau spielt es jetzt? Wie viel später spielt es jetzt, als das letzte Kapitel. Einigen wird das vermutlich sehr gut gefallen, mich hat es eher ein wenig genervt, da ich teils wirklich verwirrt war.



Fazit: Jaa, ich weiß, ich bin komisch und das Buch ist in den meisten Augen klasse. Doch mir war es zu langatmig und der Schreibstil zu distanziert. Teilweise lud der Cirque des Reves zum Träumen ein, teilweise eher zum Gähnen. Man macht sicherlich nichts falsch mit diesem Buch (es ist definitiv mal etwas anderes), aber es gibt viele besser Bücher in meinen Augen. 


3 von 5 Bücherfüchsen!



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